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Die Wallfahrtskirche

"Maria in arena"

Die Dettelbacher Marienwallfahrt beginnt recht unrühmlich mit einer Kirchweihschlägerei.

 

Bei eben dieser wurde der Tagelöhner Nikolaus Lemmerer so schwer verletzt, dass er ein Jahr bettlägerig war und sich – wie grausam! – bei klarem Verstand nicht rühren und regen konnte. Da habe er im Traum eine Erscheinung gehabt. Ein Engel? Dieser ermahnte ihn, mit einer Kerze zum Marienbildstock nach Dettelbach zu laufen und dort zu beten.

Als er erwachte, kehrten auf wundersame Weise seine Kräfte zurück und er begab sich auf die weite Wanderung von Melkendorf nach Dettelbach. (Tatsächlich gibt es drei Orte in Oberfranken, die den Namen Melkendorf tragen und historisch in Frage kommen. Eindeutig festzulegen ist es leider nicht.)

 

Den genannten Bildstock kannte Lemmerer, trotz der für diese Zeit sehr weiten Entfernung, sehr gut. In den Jahren davor hat er sich doch immer wieder als Tagelöhner in den Dettelbacher Weinbergen verdingt. Mit Sicherheit hat er dabei auch von dem geheimnisvollen Ruf, den dieser Bildstock in der Flurlage „Sand“ in der Bevölkerung genoss, gehört.

 

Ermattet von der langen Wanderung soll er in den Schlaf gesunken sein und hatte erneut eine Erscheinung. Diese befahl ihm ins Rathaus zu gehen und den Ratsherren von dem Wunder zu berichten. Wie es nun einmal so ist – damals wie heute – einige glaubten ihm, von anderen wurde er belächelt.

 

Nachdem Lemmerer nun sein Gelübde erfüllt hatte, kehrte er glücklich nach Haus zurück und erzählte dort, wie auch auf dem Weg, fleißig von seiner wundersamen Heilung. Dies führte – auch daran hat sich im Laufe der Jahrhunderte nichts geändert – zu einer raschen Ausbreitung und war der Beginn der wechselvollen Geschichte der Dettelbacher Wallfahrt.

Als der Zulauf der nach Heilung und Erhörung Strebenden immer größer wurde, sah sich der Dettelbacher Rat dazu gezwungen, den Bildstock mit einer Fachwerkhütte notdürftig zu überdachen. Diesen doch eher unwürdigen Zustand beendete Fürstbischof Lorenz von Bibra schon 1506, als er eine Kapelle bauen ließ. Beendet wurde dieser Bau wohl erst unter seinem Nachfolger Konrad von Thüngen (1519-1540).

Dieser rasche Aufschwung der Dettelbacher Wallfahrt war allerdings nur von kurzer Dauer. Eine neue Lehre, angestoßen durch Martin Luther, verbreitete sich rasch in Mainfranken und der Zustrom der Pilger versiegte mehr und mehr und drohte in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

 

Julius Echter, der durchsetzungsstarke Gegenreformator, 1573 auf dem Bischofssitz angekommen, kämpfte um die Wiederbelebung der tradtionellen Lehre. Die Wallfahrt zur Dettelbacher Muttergottes erkannte er rasch als Mittel, eine Umkehr zu erreichen.

1585 ließ er in der Stadt eine Mission durchführen, an deren Ende die Bürger entscheiden mussten, welchem Glauben sie zukünftig angehören wollen. Wer protestantisch bleiben wollte, musste die Stadt verlassen! Heute unvorstellbar!

1608 begann er mit der großzügigen Erweiterung der Wallfahrtskirche. Der Bau der neuen großen Kirche verursachte beträchtliche Kosten bei der sich Echter aber vornehm zurück hielt. Nur wenn das Vorhaben aufgrund Geldmangels zu Scheitern drohte, sprang er ein und steuerte so lediglich 18 % der Kosten bei.

Am 8. September 1613 wurde die neue und prächtige Kirche geweiht. 1616 rief Julius Echter die Patres der Strassburger Franziskanerprovinz hierher. Die 400 Jahre, bis Ende 2016, die Pilger und Wallfahrer in Dettelbach betreuten.

In den unsicheren Kriegsjahren des 30-jährigen Krieges, der auch vor Mainfranken nicht halt machte, wurden Wallfahrtskirche und Kloster ausgeraubt, die Mönche vertrieben und misshandelt und die Wallfahrt versiegte. Da aber in den schlimmen Zeiten aus Angst, Not und Bedrängnis viele Wallfahrten nach Dettelbach gelobt wurden, entstand diese nach den Kriegsende stärker und weitereichender als je zuvor.